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150 Jahre Veste-Verlag



Das Druck- und Verlagshaus Roßteutscher hat nicht nur die einschneidenden geschichtlichen Ereignisse der letzten 150 Jahre überstanden sondern auch die Revolution der Medienlandschaft in der jüngsten Vergangenheit. Trotz aller Veränderungen ist das Familienunternehmen, das unter dem Namen „Veste-Verlag Roßteutscher“ firmiert, seiner Zielsetzung treu geblieben:

  • der Kundschaft ästhetisch ansprechende, sachlich fundierte und handwerklich einwandfreie Produkte anzubieten

Das Firmenjubiläum mag Anlass sein, Rückschau zu halten, Gründung und Entwicklung des Unternehmens darzustellen und zu würdigen. Zugleich jedoch soll es Motivation sein nach vorne zu blicken, denn aus der Tradition erwächst auch eine Verpflichtung.
So hoffen wir, dass Menschen, die ihrer Heimatstadt Coburg verbunden sind, und alle anderen Freunde Coburgs weiterhin die besondere Atmosphäre dieses alteingesessenen Geschäftes schätzen, uns die Treue halten und ihr Vertrauen entgegenbringen.

Wir werden auch in Zukunft mit Freude an der Arbeit sein, um uns die Zufriedenheit aller Kunden, Freunde und Partner zu erhalten – das ist unsere Aufgabe.

von links: Philipp Roßteutscher, Birgit Krieger, Immanuel Roßteutscher,
Elfi Roßteutscher, Domingo Roßteutscher, Doris Denninger, Désirée Roßteutscher

1863

In Wien sitzt der junge Kaiser Franz Joseph auf dem Thron, in Preußen regieren König Wilhelm I. und sein Ministerpräsident Otto von Bismarck. In London trauert Queen Victoria um ihren zu früh verstorbenen Gemahl Prinz Albert und in Coburg führt dessen Bruder Ernst II. als regierender Herzog die Amtsgeschäfte. Die nationalliberale Bewegung in Deutschland – das es als Staat noch gar nicht gibt – ist im Sande verlaufen. Ferdinand Lassalle gründet den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein und etwa sechzigtausend Auswanderer verlassen die verschiedenen deutschen Fürstentümer, um in der Neuen Welt die Freiheit, Lohn und Brot zu finden.

Im gleichen Jahr wagt ein Buchdrucker aus dem thüringischen Hildburghausen den mutigen Schritt in die berufliche Selbständigkeit: Ernst Roßteutscher (1816-1864). Er erlernte seinen Beruf bei Joseph Meyer, dem Begründer und Leiter des Bibliographischen Instituts Hildburghausen, blieb dem Institut und seiner Heimatstadt jahrzehntelang treu, heiratete dort 1842 Amalia, geb. Ebert und gründete eine Familie. Eine Wende brachte der Umzug des inzwischen stark vergrößerten Meyer‘schen Betriebes nach Leipzig. Der Familienvater Ernst Roßteutscher, mittlerweile ein Mittvierziger von nicht allzu robuster Gesundheit, scheute das Leben in der turbulenten Großstadt. Lieber wollte er sich in einer ruhigen, beschaulichen Umgebung in einem kleineren Rahmen selbständig machen.
Die Wahl fiel auf Rodach. Nachdem die herzogliche Regierung zu Coburg die Neugründung eines Druckereibetriebes genehmigt hatte, zog die ganze Familie 1863 in das Landstädtchen um, wo der Vater Ernst zusammen mit seinem Sohn Anton in der nunmehr eigenen Werkstatt für den Lebensunterhalt sorgte. Neben kleineren Druckaufträgen übernahm die junge Firma auch den Verlag der Monatszeitschrift „Rodacher Volksfreund“. Was aus diesen bescheidenen Anfängen wurde, erlebte Ernst nicht mehr. Schon 1864 starb er einen vorzeitigen Tod.

Seine Witwe Amalia erwies sich als ebenso energisch wie tatkräftig. Zusammen mit ihrem ältesten Sohn Anton Roßteutscher (1846 – 1914), ebenfalls gelernter Buchdrucker, erhielt sie den Familienbetrieb und ermöglichte es dem Sohn in die Rolle als Familien- und Betriebsoberhaupt hineinzuwachsen. Dem jungen Roßteutscher war das kleine Rodach bald zu eng. 1867 verlagerte er seine Werkstatt in die Residenzstadt Coburg, wo es zu der Zeit nur die Hofdruckerei als Vertreterin der „Schwarzen Kunst“ gab, steigerte die Kapazität durch Anschaffung einer hochmodernen Schnellpresse und erweiterte sein Angebot. Seine Rechnung ging auf: Das Coburger Bürgertum erwies sich als interessiertes, solides Klientel und die Druckerei Roßteutscher, ansässig in der Großen Johannisgasse Nr. 4, wurde zum blühenden Unternehmen.
1871 heiratete Anton die Tochter des bekannten Konzertmeisters Eduard Eichhorn, Agnes, mit der er acht Kinder hatte. Mag sein, dass durch sie die künstlerische Ader in die Familie kam, die sich bis dahin durch handwerkliches Können und praktischen Geschäftssinn auszeichnete.

Agnes Roßteutscher
geb. Eichhorn
Anton Roßteutscher

1893 gelang es Anton Roßteutscher das stattliche Haus Herrngasse 4 zu erwerben, das über 80 Jahre lang als Geschäfts- und Familiensitz fungieren sollte.

Im Jahre 1905 übergab Anton die Leitung des Betriebs an seinen Sohn Alfred Roßteutscher (1878 – 1956), der im elterlichen Betrieb das Druckerei- und Verlagswesen gründlich erlernt hatte. Ihm fiel die Aufgabe zu, das Druckhaus Roßteutscher, das sich mittlerweile auch überregional einen guten Ruf erworben hatte, unbeschadet in die moderne Zeit zu führen. Während seiner Lebenszeit wurde Coburg von der herzoglichen Residenz zur nordbayrischen Kleinstadt. Er musste mit seinem Betrieb zwei Weltkriege, politische Umwälzungen, Inflation und Währungsreform überstehen. Unterstützt wurde er dabei von engagierten, kompetenten Mitarbeitern und von seiner Ehefrau Else, geb. Götz (1889 – 1972) aus Gera, die er 1912 ehelichte. Sie war eine tüchtige Geschäftsfrau, während er eine deutliche Neigung zum Künstlerischen aufwies. Mit Vorliebe verlegte und druckte er Werke zeitgenössischer Autoren, Heimatliteratur und Mundartdichtung, veranstaltete auch Neuauflagen älterer Werke, selbst dann, wenn solche Unternehmungen wenig Profit einbrachten. Unter seiner Ägide nahm das Druck- und Verlagshaus Roßteutscher die „Coburger Heimatblätter“ in sein Programm auf sowie die aufwändig gestalteten und mit vielen Abbildungen versehenen Bände zur „Coburger Landesgeschichte und Heimatkunde“. Man kann wohl behaupten, dass das Haus Roßteutscher so zu einem wichtigen Faktor im Kulturleben der Stadt Coburg wurde – und bleiben sollte.

Else Roßteutscher
geb. Götz
Alfred Roßteutscher
Druckhaus A. Roßteutscher
in der Herrngasse 4

Die beiden Söhne von Else und Alfred, Rudi Roßteutscher (1914 – 1943) und Heinz Roßteutscher (1917 – 2005) absolvierten eine Ausbildung zum Schriftsetzer, Kunst- und Buchdrucker und arbeiteten von Jugend an im familieneigenen Betrieb. Rudi war außerdem ein begabter Zeichner. Ihm übertrug der Vater 1941 die Geschäftsleitung, zumal er aus gesundheitlichen Gründen vom Militärdienst freigestellt war. Als er jedoch schon 1943 verstarb, musste sein jüngerer Bruder an seine Stelle rücken, obwohl es ihm als Soldaten im Einsatz zunächst nicht möglich war sich tatsächlich um die Firma in Coburg zu kümmern. Erst 1947, nachdem er auf Antrag der Familie vorzeitig aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, kehrte er nach Coburg zurück, den Kopf voller Pläne und das Herz voller Tatendrang. In dem Schreiben an die amerikanische Besatzungsmacht, mit dem er die erforderliche Lizenz beantragte, schrieb er, er wolle „mit einem Stab junger, talentierter Künstler“ die elterliche Druckerei als „graphische Kunstanstalt“ weiterführen.

von links: Elfriede Roßteutscher, Else Roßteutscher, Alfred Roßteutscher,
Heinz Roßteutscher, Rudi Roßteutscher


Diesem hohen Anspruch entsprechend betrieb Heinz Roßteutscher mit großem Engagement die Herstellung von hochwertigen Kunstdrucken und aufwändigen Buchausgaben der unterschiedlichsten Fachbereiche, druckte Hochglanzkataloge für Coburger Firmen ebenso wie Kunstkarten aller Art. Daneben blieb er stets dem Thema „Coburg“ treu und brachte dies auch zum Ausdruck, indem er dem Druck- und Verlagshaus Roßteutscher 1949 einen neuen Namen gab:

Veste-Verlag

Im Zuge der heimatbezogenen Thematik kreierte er 1960 den „Coburger Kunstkalender“, der seitdem jedes Jahr erscheint und in jeder Ausgabe Werke von verschiedenen Coburger Künstlern präsentiert.

1958 ehelichte der junge Firmenchef Edith Tendera (1931 – 1997). Sie stammte aus Oberschlesien, war als Balletttänzerin am Landestheater Coburg engagiert, übernahm – ganz der Tradition der Familie Roßteutscher folgend - nach ihrer Heirat Aufgaben in der Firma ihres Gatten und ihr liebenswürdiger Charme prägte bald das hauseigene Ladengeschäft.

Edith Roßteutscher
geb. Tendera
Heinz Roßteutscher
Seniorchefin Else Roßteutscher Seniorchef Alfred Roßteutscher
Belegschaft 1963


Werbeplakat 1970


Trotz allen Einsatzes war die große Druckerei jedoch auf Dauer nicht zu halten. Die rasante Entwicklung der Drucktechnik erforderte eine komplette Erneuerung der maschinellen Ausstattung. Diese Investition überforderte den Betrieb, zumal durch Schließung der Grenzen zur DDR nach dem Mauerbau die komplette Kundschaft aus Thüringen wegfiel. Der Betrieb wurde verkleinert und zog 1976 in die Steingasse um. Im Laufe der Jahre entwickelte sich Heinz Roßteutscher zu einem akribischen Erforscher der Coburger Stadtgeschichte und sammelte Bild- und Textdokumente in reicher Menge. Basierend auf diesem Fundus konnte er ab 1997 eine Reihe von historischen Coburger Straßenbüchern veröffentlichen, die sich rasch ein breit gefächertes Publikum unter der Coburger Bevölkerung eroberten und neben dem Kunstkalender zu einem Markenzeichen des Hauses Roßteutscher geworden sind. Heinz Roßteutscher wirkte bis ins hohe Alter in geistiger Frische und war längst zu einem Coburger Original geworden, bevor er im August des Jahres 2005 über Nacht aus einem immer noch tätigen Leben ging.



Edith und Heinz Roßteutscher

Heinz Roßteutscher Heinz Roßteutscher, 2005

Seitdem führt seine Tochter Elfi Roßteutscher den Veste-Verlag. Unter ihrer Leitung wurden schon etliche Buchprojekte in Zusammenarbeit mit fachkundigen Autoren und Fotografen verwirklicht, z.B. „Villen in Coburg“, „Coburger Brauereien“ und „Das Coburger Weihnachtsbuch“. Zu dem bewährten Coburger Kunstkalender gesellte sich ein Coburger Fotokalender, der sich zu einem beliebten Souvenir entwickelte, und jedes Jahr erscheinen Coburger Kunstkarten mit neuen Motiven. Besondere Aufmerksamkeit widmet Elfi Roßteutscher dem reichhaltigen Angebot an schönen, zum Teil nostalgischen Bilder- und Kinderbüchern und ausgefallenen Papeteriewaren. Nach ihren Vorstellungen erweiterte der Veste-Verlag seine Produktpalette u.a. durch Geschenk- papier mit Coburger Motiven und Adventskalender, die im Groß- oder Postkartenformat schöne Ansichten aus dem fränkischen Raum (Coburg/ Bamberg etc.) zeigen und sich bei allen Kunden großer Beliebtheit erfreuen.



2013

Deutschland ist längst ein demokratischer Staat und von einem Auswanderungs- zu einem Einwanderungsland geworden. Herzog Ernst II. reitet nur noch in Bronze durch den Coburger Hofgarten und seine einstige Residenzstadt spielt keine Rolle mehr auf dem politischen Parkett. Der Veste-Verlag Roßteutscher jedoch besteht noch immer und heißt seine Kunden nach wie vor in der Steingasse willkommen – offen für neue Ideen und der Tradition verpflichtet.


Ladengeschäft: Steingasse 16 am Rückertbrunnen,
nach einem Holzschnitt von Herbert Ott