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Mamas Rosa Schlüpfer

Artikelnummer: 10003

Dem fünfjährigen Muttersöhnchen erzählt der Vater auf Fronturlaub von aufgehängten Partisanen. Der älteste Bruder steckt immer noch Hakenkreuzfähnchen, sammelt Bombensplitter und Unterschriften seiner Kriegshelden. Doch dann sind sie da - die Russen. Singen wunderschöne Lieder, beschenken ihn, rauben, vergewaltigen. Er sieht alles, versteht nichts...

"Sie war unsere Heldin", schreibt Joachim Kortner in seiner Vorbemerkung und meint seine Mutter Hedwig, eine Frau mit Lebensmut und Konsequenz. Der Autor lässt seine aufregende Kindheit so atmosphärisch dicht und zugleich facettenreich schillernd wiederaufleben, dass man als Leser fast schon Sehnsucht danach verspürt, nach diesen Abenteuern einer jungen Seele mitten im Krieg und kurz danach. Selten begegnet man in veröffentlichten Erinnerungen an die schlimme Zeit einer solch poetischen, dabei kraftvollen, ja frechen Weltbetrachtung. Der kleine junge mit Spitznamen Mill sieht alles und versteht nichts, nur dass er seiner Mutter zusammen mit den Geschwistern wieder und wieder folgen muss. Und ohne es zu wissen, bleibt sie immer auch die Schutzbefohlene ihres Jüngsten ...

Dr. Michael Ott über das Buch:
Diese kleinen, heute fast unglaublichen Geschichten - der Autor hat sie als fünfjähriger Zwerg wirklich erlebt:- Bewundernswert ist die enorme literarische Qualität. Das alles ist einfach gut erzählt. Man wird nicht nur sofort von den Episoden und Geschichten gefangen genommen - sie sind realistisch, klar und lakonisch; auch die Wahrnehmung der Welt durch die Augen des Jungen funktioniert wunderbar. Denn die Schocks, die er erlebt - es sind eigentlich permanente Schocks - werden ja nicht als solche  beschrieben, eher nur ihre Äußerlichkeit: Der Untergang der Moccatasse, seines größten Schatzes; oder ein sitzender toter Mann hinter dem Bahnhof. Den Rest, die innere Wirkung, imaginiert man. Deswegen liest man weiter, es entsteht ein förmlicher Sog. Der Text macht das Erleben des Jungen erfahrbar, ohne seine Perspektive zu simulieren (und dabei verlogen und im schlechten Sinn „pädagogisch" zu werden).
Das Buch erzählt auf diese Art nicht nur von einer „unheroischen" Zeit, in der man aber eine Menge Mut und Entschiedenheit und Lebenswillen brauchte; es erzählt auch sehr
viel von Gefühlen - vom Entstehen von Gefühlen -, ohne jemals sentimental zu sein. Dafür ist es viel zu rau und klar; und dafür ist es viel zu komisch.

München, 12. XII. 2006
Dr. Michael Ott
Department für Germanistik und vergleichende Sprachwissenschaft
Ludwig-Maximilians-Universität
München

Autor: © 2006 Joachim Kortner
Verlag: Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN 13: 978-3-8334-5381-6
Seitenzahl: 276
Format: 21,5 x 13,5 cm